Wenn Deine Uhr vorgeht, bedeutet das nicht automatisch, dass sie defekt ist. Besonders bei mechanischen Automatikuhren sind gewisse Gangabweichungen technisch bedingt und völlig normal.
Warum geht eine Automatikuhr vor?
Anders als eine Quarzuhr wird eine Automatikuhr von einem mechanischen Uhrwerk angetrieben. Viele sehr kleine Bauteile arbeiten dabei zusammen – ganz ohne Batterie oder elektronische Zeitmessung.
Deshalb läuft eine mechanische Uhr nicht vollkommen sekundengenau. Wie stark sie vor- oder nachgeht, kann unter anderem beeinflusst werden durch:
- Dein persönliches Trageverhalten
- die tägliche Tragedauer
- den Aufzugszustand des Uhrwerks
- die Position, in der die Uhr abgelegt wird
- Temperaturunterschiede
- Stöße oder starke Erschütterungen
- Magnetfelder
Eine geringfügig unterschiedliche Gangabweichung von Tag zu Tag ist daher bei einer Automatikuhr grundsätzlich normal.
Welche Gangabweichung ist bei meiner STERNGLAS Automatikuhr normal?
Die zulässige Gangabweichung hängt vom verbauten Uhrwerk ab.
Bei den von uns verwendeten Automatikwerken gelten laut Hersteller folgende Toleranzbereiche:
- Miyota 8215, 821A und 8315: etwa -20 bis +40 Sekunden pro Tag
- Miyota 6T15: etwa -20 bis +40 Sekunden pro Tag
- Seiko TMI NH35: etwa -20 bis +40 Sekunden pro Tag
- Miyota 9015: etwa -10 bis +30 Sekunden pro Tag
Das bedeutet beispielsweise: Läuft eine Uhr mit einem Miyota 8215 täglich 20 Sekunden vor, befindet sie sich innerhalb der vom Hersteller vorgesehenen Toleranz.
Eine mechanische Uhr kann deshalb nicht mit der Ganggenauigkeit einer batteriebetriebenen Quarzuhr verglichen werden.
Wie messe ich die Gangabweichung richtig?
Damit wir beurteilen können, wie genau Deine Uhr tatsächlich läuft, empfehlen wir, die Abweichung über mehrere Tage zu beobachten.
So gehst Du am besten vor:
- Stelle Deine Uhr möglichst sekundengenau nach einer zuverlässigen Referenzzeit.
- Trage die Uhr anschließend wie gewohnt.
- Vergleiche die angezeigte Zeit nach ungefähr 24 Stunden erneut mit derselben Referenzzeit.
- Notiere Dir die Abweichung.
- Wiederhole die Messung idealerweise über mehrere Tage.
Dadurch erhältst Du ein deutlich aussagekräftigeres Ergebnis als bei einer einzelnen Messung.
Beispiel:
Geht Deine Uhr nach 24 Stunden 15 Sekunden vor, beträgt die Gangabweichung ungefähr +15 Sekunden pro Tag.
Warum verändert sich die Gangabweichung je nach Trageverhalten?
Das Gangverhalten einer mechanischen Uhr kann sich verändern, je nachdem, wie häufig und wie lange sie getragen wird.
Auch die Position, in der Du Deine Uhr über Nacht ablegst, kann einen Einfluss haben. Je nachdem, ob sie beispielsweise:
- mit dem Zifferblatt nach oben,
- mit dem Zifferblatt nach unten,
- mit der Krone nach oben oder
- mit der Krone nach unten
liegt, kann das Uhrwerk geringfügig anders laufen.
Daher ist es möglich, dass Deine Uhr an unterschiedlichen Tagen nicht exakt dieselbe Gangabweichung aufweist.
Meine Uhr geht plötzlich deutlich schneller – woran kann das liegen?
Wenn sich das Gangverhalten plötzlich stark verändert und Deine Uhr deutlich schneller läuft als zuvor, kann unter anderem eine Magnetisierung die Ursache sein.
Im Alltag kommen mechanische Uhren immer wieder mit Magnetfeldern in Kontakt. Diese können beispielsweise von folgenden Gegenständen ausgehen:
- Smartphones und deren Zubehör
- Tablets und Laptops
- Lautsprechern und Kopfhörern
- Magnetverschlüssen an Taschen oder Schmuck
- Induktionskochfeldern
- Ladegeräten oder anderen elektronischen Geräten
Wird ein Bestandteil des Uhrwerks magnetisiert, kann dies das Gangverhalten beeinflussen. Ein typisches Anzeichen ist, dass die Uhr plötzlich ungewöhnlich stark vorgeht.
Eine Magnetisierung lässt sich in der Regel unkompliziert überprüfen und gegebenenfalls beheben.
Ist ein einmaliger großer Zeitunterschied automatisch ein Defekt?
Nein.
Bevor Du die Gangabweichung beurteilst, solltest Du sicherstellen, dass die Uhr ausreichend aufgezogen ist und mehrere Tage unter normalen Bedingungen beobachten.
Gerade wenn eine Automatikuhr längere Zeit nicht getragen wurde oder kurz vor dem Stillstand war, ist eine einzelne Messung wenig aussagekräftig.
Kann meine Automatikuhr nachreguliert werden?
Ja. Ein mechanisches Uhrwerk kann innerhalb bestimmter Grenzen reguliert werden.
Dabei wird das Gangverhalten des Uhrwerks fein eingestellt. Ob eine Regulierung sinnvoll oder notwendig ist, lässt sich jedoch erst beurteilen, wenn die tatsächliche tägliche Gangabweichung bekannt ist.
Wichtig: Auch nach einer Regulierung wird eine mechanische Uhr nicht dauerhaft sekundengenau wie eine Quarzuhr laufen. Kleinere Abweichungen gehören konstruktionsbedingt zu einem mechanischen Uhrwerk.
Wann sollte ich unseren Kundenservice kontaktieren?
Bitte melde Dich bei uns, wenn:
- die tägliche Abweichung deutlich außerhalb der angegebenen Herstellertoleranz liegt,
- sich das Gangverhalten plötzlich stark verändert hat,
- Deine Uhr innerhalb kurzer Zeit mehrere Minuten vorgeht,
- Du eine Magnetisierung vermutest,
- oder das Gangverhalten trotz ausreichendem Aufzug sehr unregelmäßig ist.
Am besten beobachtest Du die Uhr vorher für einige Tage und teilst uns folgende Informationen mit:
- das genaue Modell Deiner Uhr
- Deine Bestellnummer, sofern vorhanden
- die gemessene Abweichung in Sekunden oder Minuten pro 24 Stunden
- über wie viele Tage Du die Abweichung gemessen hast
- ob sich das Gangverhalten plötzlich verändert hat
- ob die Uhr möglicherweise starken Magnetfeldern oder Erschütterungen ausgesetzt war
Mit diesen Angaben können wir bereits deutlich besser einschätzen, ob sich Deine Uhr innerhalb der normalen Toleranz bewegt oder ob eine Regulierung bzw. technische Überprüfung sinnvoll ist.
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